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Auf der Halbinsel Jandía, im äußersten Süden der Insel Fuerteventura, liegt die Villa Winter. Das imposante Gebäude mit seinem markanten Turm und dem nahegelegenen Rollfeld gibt noch heute viele Rätsel auf. Wer wollte hier mitten in der Wildnis ungesehen landen und starten?
Villa mit Rollfeld: Nur ein Ferienhaus?
Auf den ersten Blick mag man die Villa Winter einfach nur für ein imposantes Feriendomizil eines reichen Mannes halten, der hier fernab von der Welt mit seiner Familie Urlaub machen und dafür seinen eigenen Flughafen besitzen wollte. Doch merkwürdig scheint dies schon; selbst heute ist die verlassene Villa nur über eine Schotterpiste zu erreichen, die von Morro de Jables über einen Gebirgspass zum kleinen Ort Cofete führt, in dessen Nähe die Villa Winter liegt. Als man mit den Bauarbeiten begann, soll es überhaupt keine befahrbare Straße hierher gegeben haben. Und während die meisten reichen Europäer damals eher komfortable Anwesen in grünen Oasen errichteten, um das milde Klima Südeuropas zu genießen, liegt die Villa Winter nicht auf der windgeschützten Ostseite der Insel, sondern an deren Westküste, wo man Wind und Wellen, die vom offenen Atlantik herandrängen, schutzlos ausgeliefert ist. Ein enormer Aufwand für ein nicht besonders einladendes Urlaubsziel, sollte man meinen.
Militärisches Sperrgebiet Jandía
Gustav Winter, der den militärischen Rang eines Generals hatte, war ein Vertrauter Hitlers. Manche vermuten, dass er sich auf direkte Weisung von Hitler nach Fuerteventura begab und dort als Strohmann für die Anpachtung der Ländereien auf der Halbinsel Jandía diente. Einige behaupten auch, er habe das Land gekauft oder es sei ihm nachträglich geschenkt worden. Spaniens Machthaber Franco ließ angeblich die wenigen Bewohner der Region vertreiben und erklärte das gesamte Baugebiet zur militärischen Sperrzone. Die einheimischen Bauarbeiter mussten das Gelände jeden Abend verlassen; vermutlich arbeiteten aber auch deutsche Fachkräfte hier.
Das Rollfeld der Villa Winter
Nahe der Villa mit ihrem markanten Turm – vielleicht die romantisch verkleidete Variante eines Towers? – entstand ein Rollfeld; der kleine Flughafen könnte als Zwischenstopp für See-Fernaufklärer wie die FW 200C genutzt worden sein. Gerüchten zufolge sollen hier während des Zweiten Weltkrieges zeitweise deutsche Flugzeuge, möglicherweise Messerschmitt Bf 110, stationiert gewesen sein. Die kleine Kampfmaschine hätten beispielsweise feindliche Fernaufklärer über dem Atlantik attackieren können, wenn die Villa Winter entdeckt zu werden drohte. Man munkelt, hier seien auch Ju 390, Wasserflugzeuge sowie italienische Maschinen gesehen worden, die auf dem Weg nach Neuschwabenland gewesen sein sollen, einer geheimnisumwitterten Region in der Ostantarktis. Es wird vermutet, dass Nazigrößen per U-Boot oder Flugzeug nach Fuerteventura kamen, um sich hier zu verstecken und später nach Südamerika weiter zu reisen. Gustav Winter behauptete in einem Interview, das er 1971 dem “Stern” gab, er habe auf der Insel eine Hochseefischereiflotte aufbauen wollen und die Villa wäre erst Ende der Fünfziger Jahre entstanden. Besonders zufriedenstellend sind all diese Versionen nicht. Der Stoff, aus dem sich die Mythen rund um die Villa Winter zusammen spinnen, erhält Jahr für Jahr mehr Bedeutung – was wirklich hinter der Landebahn auf Jandia steckt, wird sich vermutlich nie aufklären. Die Gerüchteküche kann also getrost weiter brodeln!
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