Die Villa Winter ist eine spanische Finca, die gegen Ende des 2. Weltkriegs durch den deutschen Ingenieur Gustav Winter in Cofete auf der Kanareninsel Fuerteventura erbaut wurde. Das verfallene Anwesen, das fernab vom Tourismus-Trubel in der Halbwüste von Jandia liegt, hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer wahren Touristen-Attraktion entwickelt.  Jahr für Jahr zieht es tausende Urlauber zu einem Ausflug zur Villa Winter – sei es, um etwas der geheimnisvollen Atmosphäre der Finca zu spüren, dem Wahrheitsgehalt der Gerüchte und Verschwörungstheorien auf den Grund zu gehen oder aber einfach, um das prachvolle Anwesen von Gustav Winter im Rahmen der äußerst eindrucksvollen Kulisse zu sehen – was zunächst nicht wie eine top Sehenswürdigkeit anmutet, ist 2011 eine absolute top Sehenswürdigkeit; wohlgemerkt mit vielen offenen Fragen. Auf diesen Seiten erfahren Sie von eingefleischten Villa Winter Fans einiges rund um das Anwesen, seinen Erbauer Gustav Winter sowie über die Gerüchte, die sich rund um die Villa und die dazugehörige Landebahn auf Jandia drehen.
Gruseliger Strick aus der Terrasse des Anwesens von Gustav Winter

Gustav Winter, Erbauer der Villa Winter

Der Deutsche Gustav Winter wurde 1893 im Schwarzwald geboren. Schon im Ersten Weltkrieg zog es ihn nach Spanien, wo er 1915 sein technisches Studium in Madrid beendete. Danach arbeitete er mehrere Jahre in Spanien und war beispielsweise für die Errichtung eines Elektrizitätswerkes auf Gran Canaria verantwortlich. Gerüchten zufolge kam er bereits 1933 erstmals auf die Halbinsel Jandía auf Fuerteventura, die er dann 1937 pachtete. Zunächst soll er Pläne für eine Fisch- oder Zementfabrik gehabt haben, die er jedoch nie umsetzte. Stattdessen reist er nach Berlin, um die Finanzierung seiner Unternehmung zu sichern; manche vermuten, es könnte auch geheime Treffen gegeben haben, auf denen ganz andere Pläne besprochen wurden. Mit Begleitern kehrte er zurück, um das Gebiet zu kartographieren und Fotos zu machen. 1939 wurden sämtliche Einheimische von der Halbinsel verbannt, das gesamte Gebiet wurde zum Sperrgebiet erklärt. Im Jahr 1940 äußerte Hitler bei einem Treffen mit Franco den Wunsch, auf den Kanarischen Inseln einen deutschen Stützpunkt zu errichten, doch Franco zögerte noch. Bereits 1941 kamen jedoch deutsche U-Boote nach Gran Canaria. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Villa Winter 1946 endlich fertiggestellt – erbaut unter anderem von politischen Häftlingen, die das militärische Sperrgebiet abends immer verlassen mussten. Erst 1947 kehrt Gustav Winter, inzwischen verheiratet, nach mehreren Jahren wieder auf die Insel zurück. Er lässt Tomatenfelder um die Villa anlegen und versucht, Bäume zu pflanzen. Später behauptet er, die Villa sei überhaupt erst 1958 erbaut worden und er habe hier Landwirtschaft betreiben wollen.

Was war der wirkliche Zweck der Villa Winter?

Die Villa WinterFür einen landwirtschaftlichen Betrieb hätte die Villa Winter über eine erstaunliche Ausstattung verfügt: es gab eine riesige Küche, in der man ein ganzes Bataillon hätte verpflegen können; extrem dicke Wände wie in einem Bunker und komplett gekachelte Räume, die vermutlich abhörsicher waren; unterirdische Gänge und ein Höhlensystem, das bei ausgiebigen Sprengarbeiten, die Winter 1950 durchführen ließ, vermutlich vernichtet wurde; einen markanten Turm, der ein idealer Aussichtspunkt wäre, um die gesamte Umgebung und den offenen Atlantik zu beobachten oder gar ein optimaler Standort für ein Flag (Flugabwehrgeschütz) war, sowie ein Rollfeld in der Nähe.
Geheimnisvolle Gänge
All dies wirkt mehr wie eine militärische Anlage als wie ein Bauernhof. So vermuten viele, dass die Villa Winter hochrangigen Nazis als Unterschlupf und Zwischenstopp auf ihrer Flucht nach Südamerika hätte dienen sollten, nachdem sie per U-Boot oder Flugzeug auf die Halbinsel Jandía verbracht worden wären. Zu einem früheren Zeitpunkt könnte die Villa Winter als deutscher Stützpunkt im Atlantik konzipiert gewesen sein. Einige vermuten auch, dass es eine unterirdische Verbindung von der Villa zum Meer gab und dass neben Flugzeugen auch U-Boote hier stationiert werden sollten. Insbesondere die Spekulationen rund um U-Boot Bunker der Nazis auf Fuerteventura reißen bis heute nicht ab …

Villa Winter heute

Mittlerweile ist die Villa Winter zum Ausflugziel Nummer 1 auf Fuerteventura avanciert. Das liegt zum Einen an ihrer idyllischen Lage, aber natürlich auch an der Tatsache, dass der Ausflug zur Villa an sich schon ein Abenteuer darstellt. Man fährt kilometerlang über sandige Pisten, die diesen Ausdruck noch nicht einmal ansatzweise verdient haben und hofft einfach, dass der gemietete Jeep nicht irgendwo stecken bleibt. Auf dem Weg zur Villa Winter kommt einem auch schon einmal der ein oder andere „Jeep-Abschlepp-Jeep“ entgegen. Man darf sich also nicht wundern, wenn ein übergroßer US-Jeep mit 8 oder 12 Zylinder Motor einen kleinen Suzuki Jimmy im Schlepptau hat – das ist hier Standard. Wer also den Weg zur Villa Winter auf sich nehmen möchte (was absolut anzuraten ist), der sollte sich erst einmal mit einigen Autovermietungen auf Fuerteventura in Verbindung setzen. Die Preise und insbesondere auch das Preis-/Leistungsverhältnis der Mietwagen reicht von A bis Z. Auf Fuerte ist es normal, dass man den Mietwagen Vollkasko versichert. Nichtsdestotrotz gilt die Vollkasko-Versicherung nur auf den offiziellen Straßen. Ob die Piste zur Villa Winter eine offizielle Straße ist, oder nicht, hängt ganz vom jeweiligen Vermieter ab. Im Zweifel sollte man sich das schriftlich geben lassen. Auf dem Weg zur Villa – wir hatten einen mittelgroßen Daihatsu Terios [neues Modell] – also die Größe über dem Suzuki Jimmy- kommt selbst ein mittelgroßer Jeep schnell an seine Grenzen. Im Fall des Terios bedeutete dies, dass wir in einem der über einen halben Meter tiefen Schlaglöcher aufgesessen sind und ein zwei Faust großes Loch in den Seitenschweller gefahren haben – das aber wohlgemerkt mit Offroad-Erfahrung. Wer also auf Nummer Sicher gehen will, sollte einen erfahrenen Fahrer sowie einen möglichst großen Jeep mieten. Die Aussicht, mit der man auf der Spitze des Berkammes belohnt wird, ist aber einzigartig und absolut unbezahlbar und jede Sekunde der strapaziösen, aber dennoch äußerst interessanten und abwechslungsreichen Anfahrt wert.

Bild: Aussichtspunkt auf dem Weg zur Villa Winter auf der höchsten Erhebung des Bergrückens.

Zum Anderen liegt der Hype rund um die Villa Winter natürlich auch an deren absolut undurchsichtigen Geschichte. Es ist ja nicht einfach irgend ein Haus, sondern ein festungsartiges Gebäude, das für landwirtschaftliche Zwecke oder für den Bergbau absolut ungeeignet scheint. Das Gebäude wird heute von Hausverwaltern bewohnt, die unter erbärmlichen Verhältnissen in der einst prachtvollen Villa Winter leben.

So hausen die Hausverwalter der Villa Winter.

Für ein paar Euro Trinkgeld und ein paar nette (spanische) Worte, lässt einen der Hausverwalter aber gerne hinein und informiert bereitwillig über alles. Andererseits sind große Teile des Anwesens nicht zugänglich – hierzu zählen einige immens große Räume im Untergeschoss, sowie das gesamte Kellergeschoss. Was sich also wirklich dahinter verbirgt, lässt sich selbst bei einem Besuch nur erahnen. Dieser ist jedem zu raten, der sich auf Fuerteventura befindet, oder im Begriff ist, eine Pauschalreise nach Fuerte zu buchen. Ich selbst reise seit Jahren quer durch die Welt – ein derart misteriöses Gebäude, das von so vielen Geheimnissen umwittert ist, habe ich noch nicht einmal in der Grusel-Hochburg Großbritannien, geschweige denn irgendwo anders erlebt. Ich kann den Besuch der Villa Winter daher jedem empfehlen – je mehr man darüber weiss, desto interessanter wird der Besuch.